EPP vs. GFK

Gelsenkirchen, Windstärke 3-4 aus Südsüdost. Den Nitro untern Arm geklemmt und ab auf die nächste Halde. Zweifelnd stehe ich an der Kante, meine Schirmmütze sieht sich schon mal selbstständig das Lee an. In Böen zunehmend. Ach, was solls, ist ja EPP, denke ich mir. Laut Effektmodell soll das Ding ja unzerstörbar sein.

Es gibt leute, die mit diesen fernlenkbaren Nurflüglern aus EPP Luftkämpe austragen und sich gekonnt vom Himmel schießen. Nach einer Kollision demonstriert der Sieger mit einer Rolle, dass er noch voll flugfähig ist und nennt das ganze Slope Combat. Ich brauche noch keinen, der mir beim Absturz hilft!
Mutig an die Kante gestellt und ZAPP. Weg ist der Nitro, meine Schirmmütze auch schon wieder. Als ich mich umdrehe sehe ich sie zusammen irgendwo im Lee einbomben. Macht nix, ist ja EPP. Zur Sicherheit klebe ich noch ein wenig Metall mehr als sonst auf den Flügel. Ist zwar noch keiner hier, der mich auslachen könnte, aber so bin ich schon mal vorbereitet. Mit bestimmt 500g Zuladung, komme ich endlich raus. Manchmal sacke ich einfach durch, plötzlich mache ich 100 Meter Überhöhung im Stand. Den ganzen Hang hab ich für mich allein, ich ahne warum.
Plötzlich taucht ein Kopf hinter einem Kohlehügel auf und ruft mir schon von weitem zu: „Hujuijui, das bläßt abe ordentlich!“ In seiner Hand zappelt ein nackter Nurflügler XXS: „Grad erst gebaut, ich wollt den nur mal trimmen.“ Der Typ ist mir gleich sympathisch! Während mein Nitro in der Luft rumzappelt, rennt er von heftigen Hujujui-rufen begeitet alle paar Minuten ins Lee hinter die Kante, um seinen 40cm Flügel zu suchen. Gemeinsam haben wir Spaß ohne Ende!
Mit der Zeit wird der Wind gleichmäßiger und ein weiterer Pilot sowie einige Schaulustige gesellen sich zu uns. Der Pilot packt seinen 1,6m Voll-GFK-Hotliner mit 4-Klappensystem aus und zeigt uns wo der Hammer hängt. Immer wieder saust das Geschoß elegant vom Himmel auf uns herab, während die Nuris vor der Kante hin und her schaukeln. Angesport von dem Gesehenen heize ich den Nitro auch ein wenig an, schlage ein paar fast kontrollierte Haken und wünsche mir auch so einen Hotliner. Aber in einem kurzen Gespräch, finde ich schnell heraus, dass solch ein Modell außerhalb meiner finanziellen Reichweite liegt! Außerdem seinen die sehr empfindlich. Also schlage ich weiter Haken. Wieder saust der Hotliner vom Himmel nieder, und macht ganz nah an der Kante einen Überflug. Huch, denke ich mir und fliege ein Stück vom Hang weg. Den Bruchteil einer Sekunde später rieselt GFK vom Himmel. Vor lauter Schreck, drücke ich meinen Vogel in die Wiese. „Du hast vergessen eine Rolle zu fliegen!“, ruft jemand über meine linke Schulter. Von rechts höre ich nur: „Hujuijui!“ Mir dämmerte was passiert ist. Ich habe einen Voll-GFK-Hotliner vom Himmel geschossen! Gott ist mir das peinlich! Verstört sehe ich den Piloten an, der mit seinen Freunden durch die Wiese stapft und fleißig Kleinteile sammelt. „Scheiße, du, das tut mir leid…!“, stammle ich und gehe auf ihn zu. Er sieht mich freundlich an, sagt völlig relaxt: „Macht doch nix, das kann passieren.“, und sammelt fleißig weiter. Ich kann nicht glauben, was ich höre und will weiter stammeln: „Also ich äh, ich wollt noch weiter raus, und äh….“ . Der Pilot versucht mich zu beruhigen: “Ich bin doch selber schuld. Wir sind gerade mal 3 Piloten am Hang und wenn ich ein Schisser wäre, hätte ich ja weiter draußen fliegen können.“ Er sammelt fleißig weiter und als er die Teile zu seinem Werkzeugkasten trägt, riskiere ich einen Blick. Alter Scholli!
Als hätte ich nie etwas anderes gelernt! Mit einem einzigen, sauberen Schnitt habe ich ihm das komplette V-Leitwerk vom Rumpf amputiert. Völlig manövrierunfähig vertraute das Modell seine Geschwindigkeit Mutter Erde an, diese dachte wohl es handle sich um Saatgut. Der Pilot konnte nur zusehen, wie die Mutter aller Geschöpfe sein mit 6 Servos ausgerüstetes, in GFK gegossenes 4-Klappen Hightec-Gerät selbstständig weiter zerlegte. Peinlich berührt blicke ich in die Runde: „Ich dachte der wäre näher am Hang…“, wispere ich. Doch in den Blicken der Anderen spiegelt sich fast so etwas wie anerkennendes Staunen. „Weißt du noch, wie wir mit den Nuris immer gebattlet haben? Das war sauschwierig den anderen Flügel zu treffen, man dachte auch immer, der wäre ganz wo anders…“, mischt sich ein Freund des Piloten ein.
Der Pilot selbst kramt ein paar Werkzeuge und eine Tube Sekundenkleber hervor und läßt sich ernsthaft auf der Wiese nieder. „Alles halb so wild, ich weiß gar nicht wiso ihr euch so aufregt!“ Als der Wind nachläßt, wirft er ein weiteres seiner Modelle in die Luft. Einen 4-Meter Segler. Ich schwinge mich auf mein Rad und fahre heim. Man muß es ja nicht übertreiben. Und vielleicht verliert sogar der Typ irgendwann mal die Geduld.

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  • Eine Antwort zu “EPP vs. GFK”

    1. Praktikant Christian sagt:

      KAMIKAZEKALLE *g*

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